Dr. Walfried Pohl, Deutscher Werkbund anschläßlich der Ausstellung “Anknüpfungspunkt Textil”:

Materialkunst gehört zur Richtung der konkreten Kunst zusammen mit Konstruktivismus, serieller Kunst, texturaler und skripturaler Kunst und Monochromie. Jedesmal handelt es sich um, “selbst-referentielle” Kunst, Kunst also, die sich auf nichts außer sich selbst bezieht, nicht repräsentiert, sondern ihre künstlerischen Mittel und Regeln präsentiert. Der menschliche Hunger nach Bedeutung macht auch vor ihr nicht halt, ist aber nachträgliche Interpretation, nicht künstlerischer Gestaltungsansatz. Materialkunst liegt z.B. vor, wenn Serra Eisenplatten, Rückriem Stein als Stein präsentiert, Bonato sich mit Glas und Blei auseinandersetzt, Heerich seine Pappobjekte schafft oder Laib Blütenstaub, Milch und Wachs zu Themen seiner Kunst macht. Auch gewisse Bereiche der Naturkunst und der arte povera gehören dazu.

Textilien entstehen, wenn Fäden zu offenen oder geschlossenen Flächen verflochten, vernetzt, verknüpft, verwebt werden. Sollen sie ein Volumen einnehmen oder gar Körper bilden, brauchen sie einen Halt, die Fahne die Fahnenstange, das Kissen die Füllung, das Zelt sein Gerüst, die Kleidung den Körper, den sie umhüllt. Aber auch im freien Fall der Stoffbahnen gewinnen sie Volumen. Es zeigt sich im Faltenwurf, doch er ist flüchtig, läßt sich nur sekundär, in Plastik oder Bild, zu künstlerischen Form verfestigen.

Zur textilen Materialkunst führen andere Wege. Veronika Moos-Brochhagens Methoden dienen der direkten Verfestigung des eigentlich so schmiegsamen, beweglichen, flatterhaften Mediums. Sie entwickelt ihre Kunst dabei nicht aus dem Wesen des Materials heraus, sondern bürstet es sozusagen gegen den Strich. Ein großer Teil der künstlerischen Spannung ergibt sich daraus, daß bei aller Verfestigung die Beweglichkeit und die zufällige Formveränderung des verarbeiteten Stoffs erhalten bleibt und zu einer nur der textilen Materialkunst eigenen Rhythmisierung führt.

Die Künstlerin arbeitet mit Nessel, den sie selbst färbt, dabei bedient sie sich verschiedener Techniken zur Strukturierung des Stoffes, so der japanischen Shibori-Abbindetechnik.kunst gehört zur Richtung der konkreten Kunst zusammen mit Konstruktivismus, serieller Kunst, texturaler und skripturaler Kunst und Monochromie. Jedesmal handelt es sich um, “selbst-referentielle” Kunst, Kunst also, die sich auf nichts außer sich selbst bezieht, nicht repräsentiert, sondern ihre künstlerischen Mittel und Regeln präsentiert. Der menschliche Hunger nach Bedeutung macht auch vor ihr nicht halt, ist aber nachträgliche Interpretation, nicht künstlerischer Gestaltungsansatz. Materialkunst liegt z.B. vor, wenn Serra Eisenplatten, Rückriem Stein als Stein präsentiert, Bonato sich mit Glas und Blei auseinandersetzt, Heerich seine Pappobjekte schafft oder Laib Blütenstaub, Milch und Wachs zu Themen seiner Kunst macht. Auch gewisse Bereiche der Naturkunst und der arte povera gehören dazu.

Textilien entstehen, wenn Fäden zu offenen oder geschlossenen Flächen verflochten, vernetzt, verknüpft, verwebt werden. Sollen sie ein Volumen einnehmen oder gar Körper bilden, brauchen sie einen Halt, die Fahne die Fahnenstange, das Kissen die Füllung, das Zelt sein Gerüst, die Kleidung den Körper, den sie umhüllt. Aber auch im freien Fall der Stoffbahnen gewinnen sie Volumen. Es zeigt sich im Faltenwurf, doch er ist flüchtig, läßt sich nur sekundär, in Plastik oder Bild, zu künstlerischen Form verfestigen.

Zur textilen Materialkunst führen andere Wege. Veronika Moos-Brochhagens Methoden dienen der direkten Verfestigung des eigentlich so schmiegsamen, beweglichen, flatterhaften Mediums. Sie entwickelt ihre Kunst dabei nicht aus dem Wesen des Materials heraus, sondern bürstet es sozusagen gegen den Strich. Ein großer Teil der künstlerischen Spannung ergibt sich daraus, daß bei aller Verfestigung die Beweglichkeit und die zufällige Formveränderung des verarbeiteten Stoffs erhalten bleibt und zu einer nur der textilen Materialkunst eigenen Rhythmisierung führt.

Die Künstlerin arbeitet mit Nessel, den sie selbst färbt, dabei bedient sie sich verschiedener Techniken zur Strukturierung des Stoffes, so der japanischen Shibori-Abbindetechnik.

1. Werkgruppe: Eine Art der Verfestigung, die dem Stoff verhältnismäßig viel Freiheit läßt, besteht darin, LabyrinthRaumwaben zu bilden, Stoffstreifen im Raumverbund zu kästchenartigen Lamellen zu vernähen, so daß sich ein serielles Relief als Rasterfeld ergibt, das nicht straff gespannt ist, sondern leicht vibriert. Es weist reale wie virtuelle Kinetik auf, bewegt sich und bei Bewegungen des Betrachters. Doch bei allem Vibrato ergibt sich eine Tektonisierung des Stoffes.

2.   Werkgruppe: Eine weitere Verfestigung des Stoffes liegt vor, wenn Veronika Moos-Brochhagen Stoffbahnen zu Wülsten und Strängen dreht, rollt, wickelt und mit Fäden umwindet. Aus diesen VerflochtenWülsten und Strängen bildet sie Vergitterungen und Knoten. Damit schließt sie    Räume ein und öffnet sie gleichzeitig. Die Raumknoten kommen ganz ohne dekorative Wirkung aus, sie sind einfache,   wie von selbst entstandene Knäuel, Rauheiten, die ihre eigene Tiefendimension haben mit ihren Schatten- und Lichtlöchern und zudem an die alte Knotensymbolik von Binden und Lösen anschließen, wie sie z.B. die Knotenkalligraphie des Manierismus zeigt.

3. Werkgruppe: Die Verhärtung des Stoffes schreitet fort bei den Noppenfeldern auf gefüllten Stoffbahnen, auf Kubus und Kugelformen. Aus textilen “Kissen” und Bällen dreht sie Stoffspitzen hoch und bindet sie ab, so Adonisgaertchendaß wieder serielle Felder mit intensiver Licht und Schattenwirkung entstehen. Die Raumkörper darunter füllt die Künstlerin mit Papier zur Vermeidung der Kissenanmutung; es knistert, wenn man sie anfaßt. So wirken sie hochgradig haptisch, sprechen alle Sinne an. Die Spitzen gewinnen beim Abbinden die rhythmischen Unregelmäßigkeiten der textilen Form, dann aber erstarren sie, denn Veronika Moos-Brochhagen verfestigt sie mit Wachs. So entstehen Igelobjekte und textile Pflastersteine. Den Noppen ist aber auch etwas seltsam Organisches eigen. Sie wirken wie Knospen fremdartiger Pflanzen, bilden “Adonisgärtchen”. Zum Thema “Gegen den Strich” stellt sich hier die Erinnerung ein an das gleichnamige Buch von Joris Karl Huysmann “A rebours”, wo sein Held Des Esseintes Pflanzen sammelt, die wie Steine oder wie Fleisch aussehen.

4. Werkgruppe:
hausgewaechsgelbWachs ist den Textilkünstlern vertraut von der Batiktechnik her. Es wird nach dem Färbeprozeß jeweils ausgewaschen, der Stoff behält seine Stofflichkeit. Veronika Moos-Brochhagen läßt das Wachs lamellenartig stehen und kommt so zu einer flächigen Verfestigung des Stoffs.

5. Werkgruppe: Nachdem das Abbinden der Noppen teilweise schon mit Draht erfolgte, stellen die Nagelobjekte eine neue Dimension textiler Verfestigung her. Weiches wird nicht verhärtet, sondern trifft unvermittelt auf Metall, und zwar in seiner dem Stoff konträrsten Form, als Feld spitzer, aggressiver
Elemente, Nägel, wie auf einem Fakirbrett dem Betrachter ihre Spitzen entgegenstreckend, nur in die kreuz und quer Igelobjekteangeordnet. Veronika Moos-Brochhagen hat hier ihre bisher extremste Form gefunden. Rein materialästhetisch kann man versuchen, das Spannungsverhältnis zwischen weicher Fläche und spitzer, metallischer Härte zu genießen, doch das Haptische, bisher wesentlicher Teil der Rezeption, läßt nur mehr die Finger kribbeln. Und Assoziationen, die sich einstellen, liegen auf der Ebene von Panzerhemden, Walkürengewändern und einem Abwehrzauber gegen böse Geister. Die Künstlerin hat hier das Textile aufs äußerste gegen den Strich gebürstet, darin liegt der besondere Wert dieser Werkgruppe.
Tektonisierung, Verfestigung, Erstarrung des Textilen, das erinnert an Gottfried Semper, den großen Architekt des 19. Jh.. Er sah in seiner theoretischen Schrift “Der Stil” die textile Textur als Grundlage der Architektur an.
Eine eigentümliche Querverbindung tut sich hier auf  .....

Materialkunst
Materialkunst

© Veronika Moos, 2012
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Techniques textiles: stratégie esthétique